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Christian "Lissan"Meta
Jetzt war es soweit: Lisa hatte ihr Anmeldegespräch bei der Carl-Sonnenschein-Schule. OK, erwartet hatten wir, wir hätten das Anmeldegespräch, und Lisa solle dabei sein, damit sie sie einmal kennenlernen. Aber nein, unsere Rolle war neben dem Ausfüllen eines dreiseitigen Fragebogens relativ marginal. Lisa dagegen wurde einer Schultauglichkeitsprüfung auf Herz und Nieren unterzogen, mit der ich nicht so recht gerechnet hatte.
Zunächst wurde sie gebeten, ein Bild von einem Haus, einem Baum und sich selbst zu malen. Da Lisa sehr gründlich an solche Aufgaben herangeht und sich auch nicht hetzen läßt, war nach fünf Minuten erst das Haus fertig, und die Erde, aus der der Baum wachsen sollte. Dann waren wir dran, das Bild mußte also hinterher fertig gemalt und zu den Akten gelegt werden.
Wir wurden zu Frau G. hineingebeten, einer älteren Lehrerin, und nach kurzem Geplänkel zum Warmwerden ging es los: Ob Lisa ihren Namen auf das Bild schreiben könne (sie kann, aber wehe den Kindern, die Emilia-Emmalotte heißen…), ob sie ein paar der Bilder auf dem Buchstabenhaus benennen könne (kein Problem), ob sie bitte einmal einen großen Schaumstoffwürfel würfeln könne, und dann bitte die geworfene Augenzahl aus einer Dose mit farbigen Chips nehmen, noch einmal würfeln und diese Augenzahl von Chips einer anderen Farbe nehmen, und ob sie die Chips addieren könne. (Wie bitte? Addieren? Eine Fünfjährige? Aber klar doch, 5+3, abzählen ist ja erlaubt, und Lisa verzählt sich nur ein bißchen, also klar, machen wir.)
Zuletzt mußte sie eine Bildergeschichte auf Kärtchen in Reihenfolge bringen und nacherzählen. Das löste sie etwas eigenwillig, ein Kind war mit einem Stuhl auf einen Schrank geklettert, um an ein Bonbonglas zu kommen, dann fiel der Stuhl um und das Bonbonglas herunter. Lisas Schluß der Geschichte lautete einfach “und dann sitzt das Kind da.” – “Und das Bonbonglas?” – “Ist nicht mehr da.” (Trifft zu, es war in tausend Scherben zerbrochen…)
Einen Eingangstest hat Lisa allerdings versemmelt: Sie gab der Frau G. nicht die hingehaltene Hand. Das wurde mit einem sehr mißbilligenden Blick bedacht.
Ich finde, daß Lisa sich insgesamt sehr gut gehalten hat, bin sehr stolz auf sie, und jetzt heißt es warten. Bis Februar.

Lisa ist Schulanfängerin, sagte ich schon. Die Schulanfänger machen tolle Sachen, zum Beispiel in den Wald fahren zum Drachensteigenlassen.
Und da kommt dann ein Handyanruf aus dem Wald “Ihre Tochter ist in einen Graben gefallen und pitschnaß…”
Man denkt, das darf nicht wahr sein. Rast mit trockenem Zeug der kleinen Truppe entgegen – es herrschten 5°! – und wechselt an der Straßenbahnhaltestelle die Kleidung. Hoffentlich bleibt sie gesund…
Es ist so weit, Lisa ist eine “Schulanfängerin”. Das heißt natürlich nicht etwa, daß sie schon in die Schule geht, sondern so heißen die Kinder im Kindergarten ein Jahr lang, bis sie ihn verlassen. Schulanfänger machen allerlei Vorbereitungen und Ausflüge – so waren sie gestern im Abraham-Haus, einer Ausstellung, die die verschiedenen Religionen Christentum, Judentum und Islam vorstellt. Gemeinsam mit den anderen hat Lisa dort ein frisches Brot selbst gebacken.
Für uns steht aber natürlich noch eine andere Entscheidung an: Schulwahl! Seit man in Düsseldorf die Schulbezirksgrenzen aufgehoben hat, haben wir die freie Auswahl. So besuchen wir fleißig “Elterninformationsabende” und “Tage der offenen Tür”. Hier die Schulen, die wir uns, teilweise zusammen mit der Nachbarin, deren Tochter auch zur Einschulung ansteht, angesehen haben:
Evangelische Brehmschule – das wäre unsere konfessionelle Schule, und sie hat auch sehr überzeugende Punkte: so gefällt der neue Gebäudebestand und die “geschmackvoll” eingerichteten Klassenzimmer (Lisa wollte sofort hier anfangen, weil die Leseecke in den Klassenzimmern so schön ist), und interessant ist das Konzept der integrierten OGS (heißt sicher anders, aber es schwirren einem die Fachbegriffe ja nur so um die Ohren), bei dem vormittags Erzieher am Unterricht teilnehmen und nachmittags Lehrer in den Ganztagsgruppen anwesend sind, aber die Schulleiterin überzeugte uns nicht ganz so sehr. Außerdem ist die Brehmschule die am weitesten Entfernte.
Gutenbergschule – diese Gemeinschaftsgrundschule bietet mit die überzeugendste Präsentation. Der Schulleiter hatte am Informationsabend das ganze Kollegium versammelt und beantwortete im Vortrag vorweg fast alle Fragen, die aufkommen konnten, so daß für die Fragerunde nur die immer gleichen Fragen blieben: “werde ich einen Platz in der OGS kriegen?” – “Das kann ich Ihnen nicht vor den Anmeldungen beantworten…” Am Tag der offenen Tür konnte man die Klassen “live” im Einsatz sehen. Das Gebäude ist ein im Wortsinne etwas altbackenes Backsteinhaus, aber der Zustand ist OK. Sie wird unsere zweite Wahl werden.
Katholische Carl-Sonnenschein-Schule – obwohl wir hier “falschgläubig” sind, hoffen wir an dieser Schule aufgenommen zu werden. Auch hier wurde uns überzeugend das Angebot präsentiert, ein freundlicher Lehrkörper und ein vor wenigen Jahren erst grundauf neu gebautes Gebäude passen perfekt. Außerdem ist diese Schule die nächstgelegene. Und auch die Nachbarstochter soll da hin, das wäre natürlich super für beide Freundinnen. Am 26. Oktober ist Anmeldung.
Das war eine Expedition, die wir schon lang geplant hatten: Schon bei der Familienfreizeit vor ein paar Wochen wollten wir alle auf den Ponies beim Sportpark Niederheid reiten, aber waren zur falschen Tageszeit da. Omi und Opa nahmen die Kinder dann eine Woche später mit, aber es war der falsche Wochentag. Heute nun sollte alles stimmen, aber ein Kindergeburtstag hatte den Hof gekapert, und wir mußten noch eine Stunde warten, ehe es endlich losging. Lisa hat das Ponyreiten (eine Runde durch den Wald ist eben doch mehr als auf einem Jahrmarkt immer im Kreis) viel Spaß gemacht, Christian wollte aber nach ein paar hundert Metern schon absteigen.
Videos sagen mehr als Worte, selbst wenn es kleine Handkameravideos sind:
Lisa radelt. Wirklich und ziemlich ganz gut, macht sie auf dem benachbarten Verkehrsübungsplatz Runde um Runde. Anfahren und Bremsen kommen auch noch…
Kurz nach dem Schlafengehen, ein leiser Aufschrei aus dem Kinderzimmer: Aha, ein Traum.
Lisa: “Papi, der Sandmann hat mich verwechselt, er hat mir einen Jungentraum geschickt, mit Lightning McQueen!” [Anm.: das ist der Rennwagen aus "Cars"...]
Gleich zweimal stach eine Wespe Lisa eben, ins Ohr und in die Hand, als sie sie dann verscheuchen wollte, noch obendrein.
Große Tränen, aber glücklicherweise nur sehr kleine Schwellungen. Es war letzens sogar in der Zeitung zu lesen, daß die Wespen in diesem Sommer aggressiver seien – auch Papi hat kürzlich einen Stich abbekommen, und das konnte er bisher noch immer vermeiden.
Vor etwa einer Woche ist sie zum allerersten Mal im Innenhof der Kita auf Darleens Fahrrad gefahren, heute nun sind wir selbst wieder zum Üben losgezogen, und siehe: es funktioniert, Lisa fährt Rad!

Sie hat mehrere Abschnitte zu sicher, na, 50 Meter zurückgelegt, ganz ohne Hand am Sattel und sonstige Tricks. Ist halbwegs geradeaus gefahren, hat ein bißchen gelenkt. Toll!
Im Kindergarten war eine Kunstwoche. Hellauf begeistert haben die Kleinen mit allerlei Materialien experimentiert, Wachsmalfarben mit Holzbeize übermalt, den Stil van Goghs nachgeahmt und einer echten Portraitmalerin bei einer Sitzung zugesehen.
Die Ergebnisse können sich sehen lassen. Auch Lisa, deren Feinmotorik nicht eben ihre rühmenswerteste Eigenschaft ist, hat beeindruckende Bilder abgeliefert, z. B. diese:

Wachsfarben mit Holzbeize

Sonnenblume
Bei der van Gogh nachempfunden Sonnenblume fasziniert mich besonders Lisas Detailblick: so hat sie als einzige Blütenblätter mit einer farblich abgesetzten Kontur versehen, wie van Gogh das tat. Außerdem sparte sie nicht mit einer Signatur à la Vincent…

Portrait
Die Nonna macht immer so tolle Sachen mit den Kindern, hier nun also das volle Wellness-Programm: Pediküre mit Naildesign!

Mit Abschluß der U9 kriegte Lisa den Stempel für “volluntersucht” aufzu. Da wir diesmal eine erweiterte Vorsorgeuntersuchung dazu machten, konnten wir uns ein Bild von ihrem Entwicklungsstand machen. Es zeichnet sich ab, was man an der letzten U und einzelnen Gesprächen mit Erzieherinnen im Kindergarten schon sehen konnte: Lisas Fein- und besonders ihre Grobmotorik sind nicht richtig à jour. So ißt sie immer noch nicht richtig mit Messer und Gabel, kann noch nicht Fahrrad fahren, und hat auch sehr wenig Kondition. Mit Eltern-Kind-Turnen und Psychomotorik versuchen wir dies auszugleichen. Daß sie ungern einen Rat annimmt, macht es Lisa dabei nicht leichter, so erfuhren wir kürzlich entsetzt, daß die Erzieherinnen im Kindergarten es inzwischen schlicht aufgegeben hätten, zu versuchen, Lisa die richtige Haltung der Gabel beizubringen.
Mit Lisas Sprachstand und kognitiver Entwicklung war Frau Doktor dagegen mehr als zufrieden, formulierte abschließend, Lisa sei “ein ungemein cleveres Mädchen, das sich manchmal einfach selbst im Weg steht.” Sie werde wohl sicher nie eine Spitzensportlerin werden, wobei die Kinderärztin unseres Vertrauens eine unnachahmliche Art hat, uns quasi über den Rand einer nicht vorhandenen Brille hinweg anzusehen und zu fragen “und, wie sportlich sind denn Sie?”
“Papi, kannst du mir einen Gefallen tun? Kannst du mit mir raus in den Garten kommen und auf Christian Rücksicht nehmen, damit ich es nicht tun muß?”
Es ist noch der Nachgang zu Lisas Geburtstag, denn der wurde ja gefolgt von der kindergartenfreien Zeit: Lisa hatte sich für ihre Gruppe eine Piñata gewünscht, eine schwebende Süßigkeitenbombe also. Motivvorgabe: Pegasus-Einhorn…

Da war es also mal wieder Zeit für etliche Nachtschichten… Und jetzt sind wir gespannt, wie es damit im Kindergarten klappt – heute morgen hatte Lisa jedenfalls Zaudern, ob man die wirklich zerschlagen dürfe.
So hätte es beinahe kommen können. Weil aber Sofia Magenschmerzen hatte, waren es nur 12 Kinder, die Lisas Geburtstag mit einer Piratinnenparty begingen. Aber der Reihe nach…

2:35 Uhr, die Vorbereitungen haben uns ganz schön geschafft

15:56 Uhr, die Kerzen auf dem Piratinnenschatztruhenkuchen brennen

17:27 Uhr, die Schatzjagd ist beendet, der gehobene Schatz wird gerecht verteilt
Auch diesmal waren wir dankbar für den Garten bei gutem Wetter und die Hilfe von Sonja (die mir beichtete “ich liebe Kindergeburtstage, deswegen helfe ich so gern”).
Lisa hat sich offensichtlich von unserem gestrigen Rückflug aus der Schweiz inspiriert gefühlt:

Das sei, sagt sie, ein Segelflugzeug, deshalb die Kondensstreifen… nun gut, die Physik muß sie noch mal genauer betrachten. Auch sind wir eigentlich Lufthansa geflogen, nicht Swiss.
Wir wissen inzwischen, daß Sophie, das genau gleich alte Nachbarsmädchen und Lehrerinnentochter, schon eine Menge schreiben kann. Lisa konnte nach letztem Stand gerade einmal an Weihnachten und mit viel Anleitung ihren Namen schreiben.
Inzwischen ist weitere Zeit vergangen, und anscheinend sind Lisas Fähigkeiten von uns eher unbemerkt vorangeschritten. So fragte sie mich heute Nachmittag im Garten “wie schreibt man Malina?” Malina wird mein Patenkind. Wie ehedem gewohnt, antwortete ich “Em-A-El-I-En-A” – dabei lernen wir Eltern heute, die Buchstaben phonetisch auszusprechen, es hätte also “Mm-A-Ll-I-Nn-A” heißen sollen. Egal. Lisa sagte nichts, sondern fragte nach: “und ‘Für Malina’?” Ich sagte ihr, daß man dann Ef-Ü-Er davor setzen müsse, und daß ein Ü ein schwieriger Buchstabe sei, wie ein U, nur mit zwei Punkten drauf. Nach der Gartenarbeit werde ich ihr das mal aufmalen, sagte ich noch.
Lisa ging früher ins Haus als ich, und ich hatte das Ganze eigentlich auch schon vergessen. Sie nicht:

Ganz allein, ohne noch mal jemand zu fragen und ohne weitere Hilfe, hat sie das produziert. Gut, ich bin nicht so blind vor Vaterstolz, nicht zu erkennen, daß da Verbesserungsbedarf besteht… das L und das I sind vertauscht, ein N ist gar nicht im Repertoire (daß ein Buchstabe auf dem Kopf steht, ist in diesem Frühstadium dagegen ganz normal). Aber ich bin schon beeindruckt. Gar nicht blöd, unser Mädchen!
Den Blubberblibber hat Lisa gemalt. Er lebt auf dem Wasser, aber er hat einen Rock, keinen Fischschwanz.

“Noch zweimal lange schlafen”, dann ist Karneval. Das hat Lisa begriffen, und es führte für sie zu folgendem Vorschlag: “Dann halte ich heute Mittagsschlaf, dann ist Karneval schon morgen…”
Diese Logik ist sicher schwer zu schlagen!
Heute hat Lisa gemalt und ausgeschnitten:
