Otobar und andere Zaubernummern

OtobarDer Otobar (reimt sich auf Ottokar, das ist zwar etwas müde, kommt mir aber bei jedem Aussprechen wieder in den Sinn) hat nicht nur einen lustigen Namen, er ist auch sonst ein putziges Gerät: es handelt sich um einen Nasenballon. Das ist ein Gerät, das ins Nasenloch gesteckt und durch die Nase aufgeblasen wird – es geht dabei nicht um Spiel und Spaß, sondern eine Verordnung vom HNO. So wird ein Druckausgleich zum Ohr hin geschaffen, und das soll helfen, um einen Erguß in Lisas Gehörgang, der sich dort inzwischen seit über einem Vierteljahr ergießt, abklingen zu lassen. Die ganze Geschichte fing an, als Lisa beim amtsärztlichen Hörtest im Kindergarten auf einem Lauscher ungenügend abschnitt. Wir eilten zum HNO, um zu erfahren, daß es eben einen Erguß gab, und deshalb ein aussagekräftiger Hörtest gar nicht zu machen sei. Mit abwechselnd Nasenspray und Säften bewaffnet, durften wir im Folgenden alle paar Wochen wieder antreten, stets ohne Ergebnis. Andere Mütter meinten trocken „das geht im Winterhalbjahr sowieso nicht wieder weg“, wir fragten uns schon, warum der Ärztin dieselbe Erkenntnis verschlossen bleibt.

Jetzt ist es also Januar, und wir sollen den Otobar versuchen. Lisa ist unmotiviert und hat ihre liebe Not damit. Wir haben es selbst mal ausprobiert – es geht wirklich schwer. Aber das soll es ja auch, es soll ja ordentlich Druck machen.

Ordentlich Druck muß ich jetzt auch bei der HNO-Ärztin machen; wir kriegten den Ottokar nämlich nur auf „Grünes Rezept“. Er kostet mit 6 Euro wahrlich kein Vermögen, trotzdem rief ich meine oft geschätzte Krankenkasse an und erfuhr, ich solle mir von der Ärztin ein normales Rezept ausstellen lassen, das dann zur Apotheke tragen, die müsse sich die Erstattung von der Kasse genehmigen lassen, dann würde die Kasse über die Apotheke das Geld erstatten. Wie bitte? Mindestens drei Wege, diverse Telefonate und vermutlich Porti sind also zwischen diesen vier Eckpunkten mir, der Ärztin, der Apotheke und der Kasse nötig, damit das Geld dahin kommt, wo es hingehört? Die Frage, warum man mir nicht gleich ein rosa Rezept gab, verhallt ungehört vor dem Hintergrund dessen, was man gern administrativen overhead nennt…

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